Nach unserer Kreuzfahrt im Sommer 2019 wurde es mal wieder Zeit für einen kleinen Mini-Trip. Doch wo sollte es hingehen? Zur Auswahl standen Irland oder Schottland und nach ein paar Recherchen fiel die Wahl letztendlich auf das magische Schottland.

Tag 1 – Ankunft

Im Januar ging es los. Mit einem kurzen Zwischenstopp am Flughafen von Paris landeten wir in Edinburgh und machten uns auf den Weg zur Autovermietung. Denn wenn, dann wollen wir das Abenteuer gleich richtig beginnen: mit einer Fahrt im Linksverkehr – sehr gewöhnungsbedürftig. Nicht das Sitzen auf der rechten Seite, mit der Gangschaltung links von dir, oder das Fahren auf der linken Seite war das Schwierigste. Die Kreisverkehre sind anfangs die Hölle, da diese teilweise drei- bis sogar fünfspurig sind. Doch mit Tobi als Navigator an der Seite verfranzten wir uns nur einmal und kamen recht zügig bei unserer Unterkunft an.

In dem Stadtteil Stockbridge hatten wir unsere Zelte im gemütlichen New Town Guest House aufgeschlagen. Schon der erste Eindruck von der Nachbarschaft war sehr beeindruckend. Beinahe von allen Gebäuden ist die alte Architektur erhalten und man findet fast Nichts was modern aussieht und somit das Stadtbild verändern würde. Die Türen sind in unterschiedlichen Farben lackiert und meistens über eine Treppe mit Steg erreichbar. Es war wirklich zauberhaft! Auch in unserer Unterkunft erwartete uns ein liebevoll dekorierter Eingang. Es war alles sehr gemütlich und man hatte sich sofort wohl gefühlt. Schnell ging es in unser Zimmer und auch hier: es war gemütlich AF 😀 Schaut es euch einfach selbst an:

Nachdem wir unsere Sachen abgelegt hatten, spazierten wir durch die Neighborhood, auf der Suche nach einem Parkplatz und nach etwas Essbarem. An jeder Ecke sah man kleine Läden mit herrlich gestrichenen Fronten oder hübsch verzierten Schildern. Von Essen bis Kunst bekommt man hier alles. Auf dem Rückweg zum Gasthaus ging es noch fix in einen Supermarkt und dann war ein kleines Päuschen im gemütlichen Bett angesagt. Wir waren echt platt vom Flug und mussten unsere Akkus wieder aufladen. Blöd, dass wir dabei außer Acht gelassen hatten, dass es in Schottland viel schneller dunkel wird als in Deutschland. So war also der erste Tag schon gelaufen. Vor dem Schlafen noch ein kurzer Spaziergang durch die leer gefegten Straßen und dann ging es ins Bett.

Tag 2 – Kelpies, Loch Lomond, Stirling Castle

Für den zweiten Tag beschlossen wir, eine geführte Bus-Tour zu buchen – und es war eine sehr gute Entscheidung! Unser Tour-Guide war wirklich toll. Ein Mädel, Ashleigh, geboren in Süd-Afrika und seit 8 Jahren in Edinburgh ansässig. Die Tour startete in der Nähe der Altstadt und unser erster Halt waren die Kelpies.

>> Die Kelpies sind zwei knapp 30 Meter hohe Skulpturen aus Stahl in der Nähe von Falkirk. Kelpies sind im schottischen Volksglauben Wassergeister in Pferdegestalt. Das im Wasser lebende Wesen verspricht Wanderern, die Flüsse überqueren wollen, sie über diese hinüberzutragen. Doch eben jenen schwebt etwas ganz anderes vor: sobald auf dem Rücken des Kelpies, werden die Opfer in die Tiefe gezogen und verspeist. Bis auf die Leber – das einzige Überbleibsel. Kelpies können auch in der Form von schönen Frauen auftauchen, um arglose Opfer so in ihre Falle zu locken. <<

Nach dem kurzen Halt im Helix Park ging es direkt weiter durch die Lowlands. Die Landschaft war sehr magisch. Im Hintergrund konnte man die beeindruckenden Highlands sehen, die Wiesen waren voller Schafe und zwischendurch sah man hübsch zugewachsene Flüsse. Das graue Wetter tat den Rest, um dem Allen etwas Mystisches und Kraftvolles zu verleihen. Man kam wirklich nicht mehr aus dem Staunen über die Natur und Sehenswürdigkeiten raus. Kein Wunder, dass die Schotten so stolz auf ihr Land sind.

>> Zwischen unseren Stopps unterhielt uns Ashleigh immer ausführlich mit Anekdoten über bekannte Persönlichkeiten der schottischen Geschichte, von William Wallace, über Rob Roy bis hin zu Thomas Hume und allerlei Könige und Königinnen: alles wurde ausführlich und mit dem Blick auf den schottischen Winkel der Geschichte erklärt und Fragen beantwortet. Wer von euch weiß, dass William Wallace gar nicht der ganz so große Held des Widerstandes war, wie man laut Filmen vermuten würde? Nur einer von vielen spannenden Fakten der historischen Tour! <<

Und da war er auch schon, der nächste Stopp: Loch Lomond. Als Teil des Trossachs Nationalparks gilt er als der schönste See Schottlands. Vom Westufer aus konnte man den See mit einem herrlichen Blick auf die Highlands bewundern. Unser Guide hatte uns am Anfang eines Wanderweges abgesetzt und wir konnten bei einem 60-minütigem Fußweg die Landschaft rund um den See erkunden.

Alles war hier sehr naturbelassen und im Sommer ist es hier wahrscheinlich nochmal schöner als im Winter. Mittendrin wurden wir von einem kleinen Fluss überrascht, über den wir von Stein zu Stein unseren Weg suchen mussten. Nach einem längeren Waldstück ging es weiter am Rand der Steinklippe, über eine Brücke zum nächsten Aussichtspunkt. Der Blick über den See war sehr weit und alles war unfassbar ruhig. Man hat wirklich nichts, aber auch gar nichts gehört. Wahrscheinlich ein Vorteil, wenn man so einen Trip im Winter macht.

Um uns nach der kleinen Wanderung aufzuwärmen, ging es in ein kleines uriges Lokal, indem wir uns mit lecker Essen stärkten. Danach noch ein Käffchen im Cafe nebenan und weiter ging es. Auf dem Weg zurück nach Edinburgh stand noch Stirling mit seinem beeindruckenden Schloss auf dem Plan. Oben auf dem Berg angekommen, fing es erst mal schön zu regnen an. Gepaart mit dem Wind war das echt eine eklige Mischung. Wir trotzten dem Wetter und ließen uns von einem Guide durch die großen Hallen führen und lauschten fleißig den Geschichten rund um den schottischen Adel.

Doch nicht nur das Schloss war sehenswert, auch der Friedhof direkt unterhalb der Burg lud ein, ihn zu erkunden. Leider hat uns das Wetter und die Dunkelheit davon abgehalten, außerdem war es an der Zeit wieder zurück nach Edinburgh zu fahren und noch den letzten Geschichten unseres Guides zu lauschen.

>> Nicht nur historische Geschichten wurden zum Besten gegeben, es wurde sogar gesungen! Ashleigh gab noch den Loch-Lomond-Song zum Besten. Zumindest den Refrain. Hierbei handelt sich es um einen der bekanntesten Songs der Schotten, der vor allem zu Hochzeiten geschmettert wird (denkt einfach an Atemlos, nur die schottische, bessere Version). Doch bei aller Heiterkeit steckt hinter dem Song eine super traurige Geschichte, eine schottische Eigenheit, wie uns unser Guide verriet. <<

Tag 3 – Edinburgh

Eigentlich war dieser Tag dafür geplant, die Landschaften mit dem Auto zu erkunden. Doch leider war der Tag zuvor so anstrengend, dass wir uns für eine Tour durch Edinburgh entschieden. Nach unserem leckeren Frühstück ging es los Richtung Dean Village, einem Hot Spot für Fotografen, vor allem im Sommer. Unterwegs kamen wir an einer beeindruckenden Brücke und Kirche vorbei. Der Fußweg führte an einem Fluss entlang und endete in dem süßen Stadtteil Dean Village. Nach kurzem Staunen und Fotostopp ging es weiter Richtung Altstadt.

Edinburgh Castle begrüßte uns aus der Ferne mit strahlendem Sonnenschein. Das Schloss auf dem massiven Berg sieht wirklich sehr imposant aus und es macht einfach Spaß die langen Straßen entlang zu laufen und Alles zu bewundern. In der Altstadt angekommen, merkt man zum ersten Mal so richtig den Tourismus. Mit dem Schloss, dem National Museum of Scotland oder dem Camera Obscura Museum ist hier High Life angesagt. Viele Restaurants tummeln sich hier und natürlich einige Shopping-Läden, die den Touristen das Geld aus der Tasche ziehen 😀 Unser Ziel war erst mal das National Museum. Der Eintritt hier war frei und es lockten viele tolle Exponate. Nach dem Betreten des Gebäudes, waren wir auch hier wieder schwer von der Architektur beeindruckt.

Hauptausstellungen im Museum waren Tiere und Technologie, zusätzlich gab es noch zeitlich begrenzte Ausstellungen aus dem historischen China und Ägypten. Es ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Später lotste uns der Hunger in ein nahe gelegenes Restaurant, das wie ein Pub wirkte. Hier muss ich direkt einwerfen, dass die Schotten echt richtig gutes Essen machen. Wir hatten wirklich nichts, was uns nichts geschmeckt hat. Tobi hat sich hier direkt mal Haggis gegönnt, damit auch die schottische Küche abgehakt werden kann. Mit vollem Magen statteten wir der Burg noch einen kurzen Besuch ab, um die Stadt nochmal von oben zu begutachten. Im Schloss selbst waren wir leider nicht, dafür waren wir einfach zu platt. Also ab zurück in unser cozy Town House.

Abends ging es nochmal auf Achse und zwar in die Vaults von Edinburgh. Klingt spektakulärer als es ist 😀 Hier hatten wir ebenfalls einen Guide, der uns Geschichten über die damalige Zeit erzählte, bevor es in den Untergrund ging.

>> Hintergrund  für die Existenz der Vaults war ein relativ banaler: eine Brücke musste her, damit die Reise quer durch die bergige Stadt angenehmer für alle Anwohner wird. Ansässige Geschäfte und Läden hatten ihre Lagerräume unter den Straßen der Brücke in den namens gebenden Gewölbe-Kellern. Gebaut wurde diese Brücke mit der Hilfe der Materialien aus den abgerissenen Gebäuden. Ein perfekter Grund, für abergläubische Menschen, die Brücke direkt als verfluchtes Bauwerk zu deklarieren. <<

Nach dem Betreten der Gewölbe gab es eine Einführung in damalige Foltermethoden. Die meisten Folterinstrumente stammten lustigerweise aus Deutschland – man muss dazu sagen, dass dies die persönliche Sammlung des Chefs war 😉 Weiter ging es mit den drei keller-artigen Räume und einem vierten, der mit mit rituellem Zeug bestückt war, eine Art Safe Zone. Ein Raum, der noch aktiv von einem Hexenzirkel genutzt wird.

>> Unser Guide Andrea war immer sehr bedacht darauf, die gruselige Umgebung noch mit weiteren unheimlichen Begegnungen ihrer bisherigen Touren durch die Gewölbe auszuschmücken. Eine davon war Daisy: ein Geist, der wohl gewaltsam in den Vaults zu Tode gekommen sein muss. Einer der städtischen Arbeiter soll sie angeblich schreiend in einem der dunklen Kellerräume gesehen haben. Kurz darauf starb ein enger Angehöriger in der Familie – Daisy scheint also eine Banshee zu sein, ein Geist, der für Todes-Omen steht. Natürlich führte uns Andrea in den stockdunklen Raum, in dem sie angeblich gebunden ist, um uns einer stockdunklen Sinneserfahrung auszusetzen. <<

Ein weiterer Raum war mit einem Steinkreis ausgestattet, in dem angeblich die alten bösen Geister festgehalten werden. Man kann diesen Kreis betreten, jedoch sollte man den Kreis auch genau über den gleichen Stein wieder verlassen, sonst verfolgen einen die Geister mit Nachhause.

Die anderen Räume bargen ebenfalls alte Geschichten, rund um das Leben in den dunklen Gewölben. Diebe und Mörder hatten hier freies Spiel, da die Polizei nichts mit den Machenschaften hier zu tun haben wollte. So war jeder Tag ein Überlebenskampf und man möchte nicht wissen, wie viele Menschen hier ihr Leben ließen. Wer also an Geister glaubt und auf Grusel-Geschichten steht, kann diese Führung gerne mitmachen. Für alle anderen ist es nicht wirklich spannend, da es nicht viel „zu sehen“ gibt. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß und so ging der letzte Tag im schönen Edinburgh zu Ende.

Tag 4 – Heimreise

Heute hieß es wieder ab Nachhause. Noch einmal ein letztes Frühstück und eine letzte Fahrt durch den Linksverkehr und wir saßen schon wieder in unserem Flugzeug nach Amsterdam. Schade, dass es von Nürnberg keine Direktflüge gibt, wobei die Anbindung trotz Zwischenstopp alles in allem sehr entspannt war.

Fazit

Schottland war definitiv die richtige Entscheidung! Wir haben uns direkt in dieses Land verliebt und noch so viele Orte, die wir dort erkunden müssen! Auch die Schotten selbst haben uns den Aufenthalt unvergessen gemacht. Es ist so ein liebes und aufmerksames Völkchen. Da kam einem öfter mal ein „Have a nice day, hon“ entgegen, was einem ein Lächeln auf das Gesicht zauberte. Das Wetter war tatsächlich besser als gedacht. Die Temperaturen waren teilweise wärmer als in Deutschland, lediglich der Wind auf den Bergen macht einem etwas zu schaffen. Der Linksverkehr war machbar, für alle die sich dort mit einem Auto fortbewegen möchten. Man kann sich jedoch auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut durch das Land schippern lassen. Auch Uber war uns teilweise eine große Hilfe und preislich nicht teuer. Und was uns am allermeisten fasziniert hat: wir haben 0 Bargeld gebraucht. Versucht das mal in Deutschland …

Wir hoffen, der Einblick in unseren Kurztrip hat euch Einiges mitgegeben und falls ihr noch Fragen rund um Schottland habt, immer her damit 🙂

Eure Noobsters <3

Kategorien: Travel

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